Serbiens Präsident zu Besuch in Moskau

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Am Donnerstag war Serbiens Präsident Tomislav Nikolic zu Besuch in Moskau. Offiziell war er in Moskau, um mit dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill I zu sprechen und eine Auszeichnung des International Public Fundation für die Einheit der orthodoxen Völker entgegen zu nehmen.

Bei seinem Besuch bei Präsident Putin wurden die besonders engen kulturellen Beziehungen religiöser, geschichtlicher aber auch politischer Art betont – und es waren keine diplomatischen Floskeln.

Am Vortag hatte Präsident Nikolic der TASS ein ausführliches Interview gegeben, in dem die Beziehungen zu Russland und die Probleme Serbiens besprochen wurden.

Zu seinem Verhältnis zu Putin befragt meinte Nikolic:
„Ich weiß nicht, was Präsident Putin für mich fühlt, ich kann nur sagen was ich für ihn empfinde. Es ist eine komplett offene Freundschaft, und die Freundschaft von solchem Ausmaß, dass ich mich öffnen kann, ihm auch Geheimnisse mitteilen kann, wenn ich Rat und Verständnis suche.“

Zwischen Serbien und Russland haben schon immer freundschaftliche Beziehungen bestanden. Russland war auch das einzige Land, das im und nach dem Serbien/Kosovo-Krieg, in dem die NATO ohne UN-Mandat Serbien zerbombte, auf der Seite Serbiens stand – Serbien leidet noch heute an den Folgen des Krieges – und Russland hat im Gegensatz zu den westlichen Staaten den Kosovo nicht als selbständigen Staat anerkannt.

Die Bevölkerung Serbiens ist russisch-orthodox und gehört zum Patriarchat Moskau und die Menschen sind und fühlen sich patriotisch als Slawen.

Präsident Nikolic betonte, dass Serbien militärisch neutral sei und keinem militärischen Bündnis angehören werde. Allerdings sieht er im Augenblick großen Überzeugungsbedarf gegenüber Russland, denn Serbien hat vor kurzem mit der NATO ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, das es der NATO im Rahmen des NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“, in dem Serbien Mitglied ist, erlaubt, bis zu zwei Monaten für gemeinsame Manöver z.B. im Land zu sein. Zwar ist es Serbien im Gegenzug auch erlaubt, zu solchen Zwecken in den USA oder Kanada zu sein, was allerdings illusorisch ist, wie der Präsident selbst anmerkte.
Russland reagierte mit Unverständnis und äußerst erbost, denn es sieht hierin die Absicht der NATO weiter an die Grenzen Russlands vorzustoßen.

Deutlich verständnisvoller sieht Russlands das Bestreben Serbiens, sich der EU anzuschließen. Serbien ist vollständig von Länder umgeben, die der EU angehören, und hat keine gemeinsame Grenze mit Russland. Aber auch in dieser Frage gibt sich der Präsident Serbiens keinen Illusionen hin: Ob ein Beitritt zustande kommt, ist aufgrund der besonderen Verhältnisse zu Russland ganz und gar nicht sicher, denn bei der serbischen Bevölkerung wäre es sicher nicht durchsetzbar, auf diese besonderen Beziehungen zu verzichten, zumal die Begeisterung für die EU im Schwinden ist.

Aber selbst, wenn Serbien Mitglied der EU wäre, kann Nikolic darin nur Nachteile sehen, denn Serbien hat keine Produkte, mit denen es auf dem EU-Markt konkurrieren könnte. Nach der Zerstörung der Infrastruktur des Landes durch das Bombardement kann Serbien nur landwirtschaftliche Produkte anbieten. Diese hat die EU im Überfluss, sie sind nur in Russland gefragt. Gemäß einem Abkommen können 80 % der Waren zollfrei nach Russland exportiert werden. Hier stellt sich immer lauter die Frage, inwieweit die Eurasische Union eine Alternative ist.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.