SÜDRUSSISCHER HAFEN NOWOROSSIJSK INVESTIERT 700 MIO. EURO

Kapazitätserweiterungen für Massen- und Schüttgut geplant / Planungsleistungen und Technologie gefragt

Foto: Lothar Deeg/russland.RU (c)Foto: Lothar Deeg/russland.RU (c)
image_pdfimage_print

Von Ullrich Umann Noworossijsk (gtai) – Russlands südlichster Hafen Noworossijsk hat seinen Güterumschlag 2015 um 6,5% auf 139,7 Mio. t gesteigert. Der Hafenbetreiber Gruppe NMTP geht davon aus, dass der Wachstumstrend in diesem Jahr anhält. Deshalb werden gleich mehrere Investitionen im Wert von knapp 700 Mio. Euro getätigt. Deutsche Planungsleistungen und Technologie sind gefragt.

Der Hafenbetreiber NMTP will kurz- bis mittelfristig insgesamt 54,9 Mrd. Rubel (697 Mio. Euro) in den Ausbau und die Modernisierung stecken. Zu den angepeilten Vorhaben zählen die Vergrößerung der Verladekapazität für Schüttgut, Düngemittel und Metalle – nebst Erweiterung der Lagerflächen und Ausbau der Schienen- und Straßenanbindung. Im Getreideterminal soll das Hafenbecken vertieft werden, um noch größeren Getreidetransportern das Anlegen zu ermöglichen.

Ein Einzelvorhaben im Investitionswert von 3 Mrd. Rubel (38,1 Mio. Euro) wurde bereits im Januar 2016 ausgeschrieben. Bis Anfang 2018 soll die Lagerkapazität und Logistikfläche für das Containerterminal NUTEP in Richtung Süden erweitert werden.

Verkehrsinfrastruktur für 1,3 Mrd. Euro

Um die verkehrstechnische Anbindung des von Staus geplagten Hafens zu verbessern, plant die Stadtverwaltung Noworossijsk gemeinsam mit der föderalen Straßenbaubehörde Avtodor einen umfangreichen Ausbau des anliegenden Straßennetzes im Rahmen eines Public-Private-Projects (PPP). Es sollen Brücken, Kreuzungen, Auf- und Abfahrten gebaut sowie Straßenverbreiterungen durchgeführt werden.

Der Wert der Investitionen in den Straßen- und Brückenbau wird mit 101,216 Mrd. Rubel (1,3 Mrd. Euro; Wechselkurs 1 Euro = 78,76 Rubel, Stand: 6.3.2016) angegeben. Von der genannten Summe sollen 40,3% aus dem föderalen Haushalt kommen. Die Fertigstellung soll bis 2020 erfolgen. Als einziger privater Investor tritt bislang der Hafenbetreiber NMTP auf. Doch kann NMTP nicht vollständig als ein privates Unternehmen angesehen werden, da der Staat eine Sperrminorität über eine goldene Aktie besitzt.

Finanzkraft des Hafens dürfte stabil bleiben

Die angekündigten Ausbau- und Modernisierungsvorhaben dürfte NMPT dieses und in den kommenden Jahren finanzieren können. Zum einen fällt dem Hafen Noworossijsk im Landessüden de facto eine Monopolstellung innerhalb der maritimen Logistikkette zu. An Noworossijsk führt kein Weg vorbei. Aus dieser Tatsache heraus sind dauerhaft Einnahmen gesichert. Zum anderen kann der Hafenbetreiber 2016 weitere Mengensteigerungen erwarten. Doch muss das Unternehmen die dazu notwendigen Kapazitäten vergrößern.

Schütt- und Massengut verspricht Mengenwachstum

Zwar ist der russische Außenhandel 2015 im Wert auf 281 Mrd. Euro (2014: 374 Mrd. Euro) gesunken. Die Exportmengen bei Schütt- und Massengütern, darunter Erdöl, Getreide, Düngemittel, Bundmetalle, Eisen und Stahl, sind jedoch gestiegen. Und gerade auf diese Produktgruppen sind die Spezialterminals im Hafen Noworossijsk ausgerichtet.

Auch Aserbaidschan verschifft Rohöl aus dem Kaspischen Meer über den Hafen Noworossijsk. Seit 1997 existiert die Pipeline Baku-Noworossijsk, über die Kohlenwasserstoffe fließen. Der Teilbesitzer des Erdölterminals in Noworossijsk, Transneft, hat mit der aserbaidschanischen SOCAR für 2016 eine Umschlagmenge von 1,4 Mio. t Rohöl vereinbart, die auf Tankschiffe gepumpt werden.

Der Hafen profitiert vom schwachen Rubel

Durch den anhaltend schwachen Rubel sehen die Ausfuhrchancen russischer Anbieter von Massen- und Schüttgütern günstig aus. Sie können ihre Waren zu geringeren Preisen im Ausland anbieten. Sinkende Weltmarktpreise in US-Dollar sollen weitgehend über Mengensteigerungen kompensiert werden. Für den Hafen Noworossijsk bedeutet das volle Auftragsbücher. Lediglich für den Containerumschlag sehen die Wachstumsmöglichkeiten schlecht aus. Hier macht sich der relativ geringe Anteil von industriellen Fertigwaren am russischen Export bemerkbar.

Deutsche Kran- und Verladetechnik genießt Wertschätzung

„Deutsche Unternehmen können sich an allen Ausschreibungen in unserem Hafen beteiligen. Diese umfassen Planungsleistungen, Bau- und Installationsleistungen sowie Technologielieferungen. Alle Tender sind auf unserer Internetseite einsehbar.“ Dies unterstrich der Generaldirektor von NMTP, Sultan Chazalijewitsch Batov, gegenüber deutschen Unternehmensvertretern, die während einer Delegationsreise der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer Anfang März 2016 in der Region Krasnodar weilten.

Batov wies ausdrücklich darauf hin, dass die beste Ausrüstung im Hafen in der Vergangenheit aus Deutschland importiert wurde. Dazu gehörte Kran- und Verladetechnik. „Auch wenn wir uns im Rahmen der Politik der Importsubstitution nach russischen Herstellern umschauen, sind für uns die Qualität und Produktivität der anzuschaffenden Ausrüstung entscheidend. Wir brauchen die bestverfügbare Technik, weshalb wir die Angebote deutscher Hersteller auch in Zukunft in Betracht ziehen. Aber wir müssen hinzufügen, dass Anbieter aus Südostasien qualitativ zugelegt haben.“