Syrien: Palmyra befriedet, Russland hilft beim Aufräumen

Foto: Wikipedia/O.Mustafin CC0 1.0 Universal Public Domain DedicationFoto: Wikipedia/O.Mustafin CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication
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Palmyra – Das Weltkulturerbe der Ruinen Palmyras konnte durch die syrische Armee von den Schergen des Daesh-Terrors befreit werden. Von den Gotteskriegern hinterlassen wurden zerstörte Zeugnisse der Vergangenheit sowie gefährliche Überbleibsel der Gegenwart.

Zerstörte Kulturrelikte und Blutlachen überall auf den Steinen. Der Kreuzzug des Kalifats hinterließ grausame Spuren im ehemaligen Amphitheater. Zehn Monate waren die antiken Ruinen von den Terroreinheiten besetzt, am Ostersonntag konnten sie durch die syrischen Truppen zurückerobert werden. Jedoch, das Gelände ist stark gezeichnet. Der Krieg in Syrien hinterließ auch hier seine hässliche Fratze.

Das Amphitheater durchlief während dieser Zeit, wie in Videobotschaften veröffentlichte Aufnahmen zeigen, eine Massenhinrichtung an 25 Syrern. Die Welle der Schocknachrichten riss nicht ab. Drei Menschen wurden an den antiken Säulen aufgehängt und mitsamt der kompletten Säulenreihe grausam in die Luft gesprengt. Im August letzten Jahres enthaupteten die Milizen den über 80-jährigen Archäologen Khaled al As’ad. Sein Leichnam wurde kopfüber vor dem Museum aufgehängt.

Was sich hier liest wie schlechter Kino-Trash war leider die Realität in Syrien. Nun hoffen die syrischen Truppen, die gemeinsam mit der Volksmiliz „Wüstenfalken“ die Oasenstadt einnahmen, von hier aus militärische Operationen gegen die vermeintlich wichtigsten Operationszentren des Desh, Rakka und Deir ez-Zor, starten zu können. Vorhergegangen waren schwere Gefechte der beiden Gegner.

Russlands zeigt Engagement auch nach der Zerstörung

Unmittelbar darauf wies Putin sein Verteidigungsministerium an, bestmöglich bei der Räumung von Minen behilflich zu sein. „Maximale Unterstützung“ versprach der russische Präsident seinem syrischen Amtskollegen Baschar al-Assad telefonisch. Vor ihrer Flucht aus der Stadt hatten die Terrormilizen noch einen Minengürtel gelegt, den es nun zu beseitigen gilt. Der russische Präsident und die Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa sind sich soweit einig, dass die UNESCO, Russland und Syrien alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, einen Plan zur Wiederherstellung dessen, was von der antiken Stätte noch gerettet werden kann, zu erarbeiten.

Immerhin leistete die russische Luftwaffe die notwendige Vorarbeit, damit sich die Lage in Palmyra zum Guten gewendet hat. Zusammen mit dem syrischen Generalstab wurde Anfang März die Operation zur Zurückeroberung des Kulturguts beschlossen und mit den Bodentruppen abgestimmt. Deshalb betonte Dmitri Peskow, der Sprecher der russischen Präsidenten die Notwendigkeit, trotz des weitgehenden Abzugs der Truppen, dass russische Streitkräfte weiterhin den syrischen Behörden beim Antiterrorkampf und der Befreiung des Landes von Extremisten-Gruppierungen helfen werden.

Assad seinerseits hob hervor, dass die Befreiung Palmyras ohne Russlands Unterstützung nicht möglich gewesen wäre. Denn, so sagt der Politologe Grigori Kossatsch, „Die Eroberung von Palmyra durch syrische Regierungstruppen, die mit aktiver russischer Unterstützung erreicht wurde, präsentiert das Assad-Regime zum ersten Mal als reale Kraft, die gegen den ‘Islamischen Staat‘ kämpfen kann. Noch vor kurzem konnte sich kaum jemand vorstellen, dass Präsident Assad diese Rolle übernehmen könnte“.

Fatalerweise plant auch die US-Regierung eine Offensive in Rakka. Süffisant dabei ist nun die Tatsache, dass die amerikanische Regierung gezwungen sein wird eine Koalition mit den syrischen Truppen einzugehen, obwohl sie nach wie vor vehement den Rücktritt Assads fordert. Somit ist es wieder Moskau, das die beiden Streitparteien an einen Tisch bringt. Denn vorerst vertreten die USA immer noch die Meinung, dass es in Syrien keinen Frieden geben werde, solange Assad an der Macht sei. Mittlerweile ist man aber auch geneigt insgeheim zu denken, der Putin, ja der wird’s schon richten.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.