Wie Coca-Cola die Welt verändert

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„Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt…“ . Dieses Pipi Langstrumpf-Zitat hat sich der Welt-Getränkekonzern scheinbar mehr als wörtlich zu Herzen genommen, denn auf der aktuellen Weihnachtskarte gibt es kuriose Grenzverschiebungen. Betroffen ist – natürlich – Russland.

Coca-Cola will koffeinhaltige Brause verkaufen. Natürlich auch in Russland. Und natürlich auch auf der Krim. Denn: Da leben ja auch Russen und die wollen bestimmt auch ihr Cola. Also hat man in einer pfiffigen Werbeabteilung des Konzerns die Krim, Russland zugehörig, auf der Weihnachtskarte, für den russischen Markt, kurzerhand auf russisches Terrain verlegt. Soweit noch alles richtig.

Nun kam Kiew und legte sein Veto ein. Schließlich sei die Halbinsel im Schwarzen Meer ja immer noch in der Ukraine. Also, Coca-Cola nimmt die Krim wieder raus aus den russischen Weihnachtswünschen. Nun beschweren sich allerdings wieder die Russen. Und natürlich auch die Bewohner der Krim. Soviel Stolz darf ja dann doch sein. Tja, Coca-Cola, wie man’s macht…

Also zurück gerudert und die Krim wieder drauf. Dummerweise hat man auch Kaliningrad vergessen. Deswegen waren jetzt, zu Recht, die Russen in ihrem westlichsten Eck angefressen. Auch da will man natürlich Cola trinken. Das Echte, das aus den Vereinigten Staaten. Stolz hin, Stolz her. Au weia, Sie sehen, die Werbeabteilung der Firma hatte vor Weihnachten alle Hände voll zu tun.

Allerdings gingen jetzt die großen Rechtfertigungen los. Wer trägt die Verantwortung für die Werbekampagne, wer hat’s verhunzt? Der politische Aufschrei, den der Konzern auf diese Art und Weise losgetreten hat, dürfte wohl kaum in seinem Sinne gewesen sein. Schließlich will Coca-Cola ja nichts anderes, als koffeinhaltige Brause verkaufen. Und das bitteschön nicht zu knapp.

Das Unternehmen sagt, man hätte den Auftrag halt an eine Werbefirma vergeben. „Die Agentur, die die Karte entwickelt hat, hat sie später ohne unser Wissen und Absprache verändert“, so ließ es der Brausehersteller verlauten. Die beauftragte Agentur wiederum sagte, es hätte doch alles seine Ordnung. Die Werbefirma hätte sich aber umgehend entschuldigt und betont, sie wollten damit keine politische Position einnehmen. – Patt.

Die Aktion von Coca-Cola stünde „im Widerspruch zu der Politik der Vereinigten Staaten und der Weltgemeinschaft und sind nicht akzeptabel“, hieß es später dann in einer offiziellen Erklärung von höherer Instanz. Dabei wollte doch Coca-Cola eigentlich nichts anderes, als seine Brause auch in Russland verkaufen. Aber es ist halt wie so immer im richtigen Leben – wie man’s macht…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.